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Lüften bei Regen: Sinnvoll oder Schimmelgefahr? So lüften Sie richtig

Autorenbild: Christoph Reiner
Christoph Reiner
vor 6 Tagen
5 Min. Lesezeit

Darf man bei Regen lüften oder holt man sich dadurch zusätzliche Feuchtigkeit in die Wohnung? Viele Menschen lassen ihre Fenster bei Regen geschlossen, weil sie befürchten, dass die feuchte Außenluft Schimmel begünstigt. Dabei kann gerade an kühlen Regentagen das Gegenteil der Fall sein.

Lüften bei Regen ist häufig sinnvoll und kann sogar helfen, Schimmel vorzubeugen. Entscheidend ist nicht, ob es draußen regnet, sondern wie viel Wasserdampf die Außenluft im Vergleich zur Raumluft enthält.

Wann das Lüften bei Regen sinnvoll ist, welche Rolle die Außentemperatur spielt und warum besonders in Kellerräumen Vorsicht geboten ist, erfahren Sie hier.


Darf man bei Regen lüften?

Ja, grundsätzlich ist Lüften auch bei Regen sinnvoll. Besonders im Herbst und Winter kann kühle Außenluft trotz hoher relativer Luftfeuchtigkeit weniger Wasserdampf enthalten als die warme Luft innerhalb Ihrer Wohnung.

Beim Stoßlüften wird die feuchtere Raumluft durch Außenluft ersetzt. Erwärmt sich diese anschließend, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit. Dadurch kann überschüssige Feuchtigkeit aus Wohnräumen abgeführt werden.

Anders kann die Situation an schwülwarmen Sommertagen aussehen. Ist die Außenluft besonders feucht, kann das Lüften die Feuchtigkeitsbelastung in kühlen Räumen sogar erhöhen.

Merke: Nicht der Regen entscheidet darüber, ob Lüften sinnvoll ist, sondern die Temperatur und der tatsächliche Feuchtegehalt der Luft.


Warum kann Lüften bei Regen die Luftfeuchtigkeit senken?

Bei Regen erreicht die relative Luftfeuchtigkeit draußen häufig Werte zwischen 80 und 100 Prozent. Trotzdem bedeutet das nicht automatisch, dass die Außenluft mehr Wasserdampf enthält als die Raumluft.

Dafür müssen zwei Begriffe unterschieden werden:

  • Relative Luftfeuchtigkeit: Sie beschreibt, wie stark die Luft bei ihrer jeweiligen Temperatur mit Wasserdampf gesättigt ist.

  • Absolute Luftfeuchtigkeit: Sie bezeichnet die tatsächlich enthaltene Wasserdampfmenge, beispielsweise in Gramm pro Kubikmeter.

Bei höheren Temperaturen kann die Luft deutlich mehr Wasserdampf enthalten, bevor sie gesättigt ist. Deshalb kann kalte Regenluft trotz 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit weniger Feuchtigkeit enthalten als warme Innenluft.


Beispiel: Lüften bei Regen und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit

Stellen Sie sich folgende Situation vor:


Außenluft

Innenluft

Temperatur

10 °C

20 °C

Relative Luftfeuchtigkeit

100 %

60 %

Wasserdampfgehalt

ca. 9,4 g/m³

ca. 10,4 g/m³

Obwohl die Außenluft vollständig mit Wasserdampf gesättigt ist, enthält sie weniger Wasserdampf als die Innenluft.

Wird die Außenluft auf 20 °C erwärmt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit auf ungefähr 54 Prozent, sofern keine zusätzliche Feuchtigkeit hinzukommt.

Das Ergebnis: Lüften kann die Feuchtigkeit in Ihrer Wohnung reduzieren, obwohl es draußen regnet.

Die Werte sind gerundet und dienen zur Veranschaulichung. Für den tatsächlichen Feuchtetransport sind die Wasserdampfgehalte beziehungsweise Taupunkte innen und außen entscheidend.


Lüften bei Regen im Winter und Sommer: Was ist der Unterschied?

Ob Lüften bei Regen zur Entfeuchtung beiträgt, hängt wesentlich von der Außentemperatur ab.


Im Herbst und Winter: Lüften meist sinnvoll

An kühlen Regentagen enthält die Außenluft häufig weniger Wasserdampf als die wärmere Innenluft.

Durch regelmäßiges Stoßlüften kann Feuchtigkeit abgeführt werden, die beispielsweise beim Duschen, Kochen oder Wäschetrocknen entsteht.

Das ist besonders wichtig, weil sich bei erhöhten Feuchtewerten die Luftfeuchtigkeit unmittelbar an kalten Wandoberflächen stark erhöhen kann. Bleibt diese über längere Zeit hoch, kann Schimmel entstehen – auch ohne sichtbare Wassertropfen.

Im Winter sollten die Fenster deshalb lieber kurz und vollständig geöffnet werden, anstatt sie über längere Zeit gekippt zu lassen.

Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserem Beitrag Richtig heizen im Winter: Wie Sie Schimmel in der Wohnung verhindern.


Im Sommer: Vorsicht bei schwülwarmem Regenwetter

Bei warmen Temperaturen kann die Außenluft deutlich mehr Wasserdampf enthalten.

Ist es draußen beispielsweise 25 °C warm und die relative Luftfeuchtigkeit beträgt 90 Prozent, enthält die Luft ungefähr 20,7 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter.

Gelangt diese Luft in einen deutlich kühleren Raum, steigt dort die relative Luftfeuchtigkeit an. An besonders kalten Oberflächen kann sich Kondenswasser bilden.

Deshalb kann intensives Lüften an schwülwarmen Tagen die Feuchtigkeitsbelastung in kühlen Innenräumen erhöhen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie bei Sommerregen grundsätzlich auf frische Luft verzichten sollten. Für eine gezielte Entfeuchtung ist entscheidend, dass die Außenluft weniger Wasserdampf enthält als die Innenluft.


Keller bei Regen lüften: Wann besteht Schimmelgefahr?

Besonders aufmerksam sollten Sie beim Lüften von Kellerräumen sein.

Da Kellerwände im Sommer häufig deutlich kühler bleiben als die Außenluft, kann warme und feuchte Luft beim Kontakt mit diesen Oberflächen abkühlen.

Dadurch steigt die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an der Wand. Unter ungünstigen Bedingungen kann sich sogar Kondenswasser bilden.

Dieser Vorgang wird als Sommerkondensation bezeichnet.

Um dies zu vermeiden, sollten Kellerräume bevorzugt dann gelüftet werden, wenn die Außenluft weniger Feuchtigkeit enthält als die Kellerluft. Häufig sind dafür die frühen Morgenstunden oder die Nacht günstiger als der Nachmittag.

Ein Vergleich der Taupunkte innen und außen hilft bei der Entscheidung.

Bei anhaltend feuchten Kellerwänden sollte allerdings auch überprüft werden, ob bauliche Ursachen wie eine mangelhafte Abdichtung oder eindringende Feuchtigkeit vorliegen.


Richtig lüften bei Regen: 4 praktische Tipps

Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie auch bei Regen für einen sinnvollen Luftaustausch sorgen.


1. Stoßlüften statt dauerhaft kippen

Öffnen Sie die Fenster vollständig. Im Winter reichen je nach Witterung und Luftaustausch häufig wenige Minuten. Bei länger gekippten Fenstern können angrenzende Wandflächen unnötig auskühlen.


2. Querlüften nutzen

Wenn möglich, öffnen Sie gegenüberliegende Fenster. Dadurch lässt sich die Raumluft schneller austauschen. Bei starkem Wind und Schlagregen sollte selbstverständlich kein Regenwasser ins Gebäude gelangen.


3. Luftfeuchtigkeit kontrollieren

Ein Hygrometer hilft, die relative Luftfeuchtigkeit im Blick zu behalten. In vielen Wohnräumen sind etwa 40 bis 60 Prozent ein sinnvoller Orientierungsbereich. Die tatsächliche Schimmelgefahr hängt aber zusätzlich von der Temperatur und Feuchtigkeit der Wandoberflächen ab.


4. Außen- und Innenluft vergleichen

Wenn Sie gezielt Feuchtigkeit abführen möchten, vergleichen Sie nicht nur die relative Luftfeuchtigkeit, sondern auch die Temperatur. Besonders bei Kellern ist ein Vergleich des Taupunkts oder der absoluten Luftfeuchtigkeit empfehlenswert.


Häufige Fragen zum Lüften bei Regen


Kann man bei 90 oder 100 Prozent Luftfeuchtigkeit draußen lüften?

Ja. Gerade an kalten Tagen kann Außenluft mit 90 oder sogar 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit weniger Wasserdampf enthalten als die wärmere Innenluft. Entscheidend sind die tatsächlichen Feuchteverhältnisse.


Warum steigt die Luftfeuchtigkeit beim Lüften manchmal an?

Das kann daran liegen, dass feuchtere Außenluft in den Raum gelangt. Allerdings kann die relative Luftfeuchtigkeit auch allein durch die Abkühlung der Raumluft steigen, ohne dass sich deren Wasserdampfmenge erhöht. Ein steigender Hygrometerwert bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass durch das Lüften zusätzliche Feuchtigkeit eingetragen wurde.


Kann falsches Lüften Schimmel verursachen?

Ungünstiges Lüftungsverhalten kann Schimmelbildung begünstigen, etwa wenn schwülwarme Außenluft in kühle Kellerräume gelangt oder Wandoberflächen durch dauerhaft gekippte Fenster auskühlen. Allerdings sind nicht alle Schimmelprobleme auf falsches Lüften zurückzuführen.


Schimmel trotz richtigem Lüften: Wann sollten Sie handeln?

Wenn trotz regelmäßigem Lüften und angemessener Beheizung dauerhaft Feuchtigkeit oder Schimmel entsteht, sollte die Ursache genauer untersucht werden.

Mögliche Auslöser sind beispielsweise Wärmebrücken, undichte Leitungen oder Feuchtigkeit, die von außen in das Gebäude eindringt.

Eine fachliche Ursachenanalyse kann helfen, diese Möglichkeiten voneinander zu unterscheiden und geeignete Maßnahmen festzulegen.

Schimmelpilz24 unterstützt Mieter, Eigentümer und Hausverwaltungen im Raum Stuttgart und Umgebung bei der Untersuchung von Schimmel- und Feuchtigkeitsproblemen.

Kontaktieren Sie Schimmelpilz24, wenn Sie wiederkehrende Feuchtigkeit oder Schimmel feststellen und die Ursache klären lassen möchten.


Fazit: Lüften bei Regen ist häufig sinnvoll

Auch bei Regen müssen die Fenster nicht grundsätzlich geschlossen bleiben. Besonders an kühlen Tagen kann regelmäßiges Stoßlüften überschüssige Feuchtigkeit aus Wohnräumen entfernen und das Schimmelrisiko reduzieren.

Entscheidend sind die Temperatur und der tatsächliche Feuchtegehalt der Luft – nicht allein die relative Luftfeuchtigkeit draußen.

Bei schwülwarmem Wetter und in kühlen Kellerräumen ist dagegen besondere Vorsicht angebracht. Wer die Feuchteverhältnisse berücksichtigt und bedarfsgerecht lüftet, kann auch bei Regen zu einem gesunden Raumklima beitragen.

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